
Diego Riveras Biografie: Meisterwerke, Wandbilder und ein unsterbliches Erbe (Teil 2)
Diego Riveras Biografie: Meisterwerke, Wandbilder und ein unsterbliches Erbe (Teil 2)
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Selbstporträt. Diego Rivera. 1907

Akt mit Calla-Lilien

Dieses Gemälde entstand unmittelbar nach seinen beiden großen Wandbildern für das Nationale Institut für Kardiologie und noch vor dem monumentalen Wandbild Große Stadt Tenochtitlán.
Es überrascht nicht, dass Rivera in bescheideneren Themen seine Stärke fand; er feierte oft die enge Beziehung zwischen den Bauern und der Natur. In diesem Gemälde präsentiert er eine sinnliche, fast skulpturale Blume – ein typisches Beispiel der üppigen mexikanischen Flora. Diese Blume wurde von Rivera oft geehrt, besonders in Fresken, die indigene Bauern beim Tragen von Blumenbündeln oder Opfergaben zeigten. Doch in diesem speziellen Werk findet sich, so die Überlieferung, eine zarte Anspielung auf Frida Kahlo, seine große Liebe.
Detroit-Industrie (Nordwand)
Im Auftrag von Edsel Ford und Wilhelm Valentiner schuf Rivera 27 Tafeln. Diese zeigen hoch allegorische Szenen, die die Geschichte Detroits und die Entwicklung seiner Industrie widerspiegeln. Das dominierende Thema ist die Automobilindustrie und ihr unverzichtbarer Platz im Stadtleben. Viele Tafeln schildern das Leben und die Arbeit der Arbeiter der Ford Motor Company. Die Wandbilder stecken voller Symbolik. Sie thematisieren, wie ein Gleichgewicht zwischen der Nutzung und dem Missbrauch von Natur und Mensch gefunden werden kann. Die Symbolik beginnt dabei schon mit ihrer Anlage.
Das Hauptfeld, an der Nordwand gelegen, spricht von Dunkelheit, vom inneren Kern der Realität. Hier ist diese Realität die menschliche Arbeit, verkörpert durch die Automobilarbeiter, die ein Fahrzeug entstehen lassen. Über den zahlreichen Figuren, die in ihren vielfältigen Aufgaben vertieft sind, leuchten Orange und Rot eines gigantischen, lodernden Ofens. Fließbänder und Montagelinien werden von muskulösen Männern um zwei Fräsmaschinen herum bedient, die den Blick des Betrachters wiederum tief in die Komposition lenken, hin zum Schmelzofen. Hier schmilzt der Stahl für die Formen der Einzelteile – die künftigen Automobile. Die Kunst ist hier direkt, unverblümt repräsentativ.

Der Blumenträger
Im Jahr 1935 schuf Diego Rivera meisterhaft „Der Blumenträger“. Wie viele seiner Gemälde strahlt es eine vordergründige Einfachheit aus, doch birgt es tiefen Symbolismus und eine vielschichtige Bedeutung. Einige sehen in dem gewaltigen Korb, der dem Mann auf dem Rücken lastet, die unüberwindbaren Hindernisse eines unerfahrenen Arbeiters in einer modernen, kapitalistischen Welt.
Calla-Lilien
Die Calla-Lilien, so allgegenwärtig in Diego Riveras Werk, waren im Grunde indigene Motive. Oft umrahmten die riesigen Blütenfächer dieser Blumen die indigenen Figuren, die er mit einem wunderbaren Spiel aus Farben und Harmonie darstellte.


Traum von einem Sonntagnachmittag im Alameda Central
„In dieser Komposition trage ich Erinnerungen an mein Leben, meine Kindheit und Jugend. Die Figuren, die hier flanieren, träumen; einige schlafen auf den Bänken, andere wiederum schlendern und unterhalten sich.“
- Diego Rivera

Zwischen Juli und September 1947 schuf Diego Rivera dieses gigantische Wandbild. Andere Künstler halfen ihm bei der Vorbereitung der Wand für dieses Fresko. Es erstreckt sich über beeindruckende 4,17 m x 15,67 m und wiegt ganze 35 Tonnen. Drei Abschnitte gliedern es:
Im ersten Abschnitt stellte der Künstler die Eroberung und die Kolonialzeit dar. Danach folgt die Unabhängigkeit; fremde Interventionen sind zu sehen, darunter Antonio López de Santa Anna, der dem amerikanischen General Winfield Scott die Schlüssel zu den Territorien überreicht. Anschließend präsentiert er die Reform und das Zweite Kaiserreich.

Im zentralen Bereich erblickt man den Künstler Diego Rivera, von der Hand des Todes gepackt, gekleidet wie ein Kind, aus dessen Taschen ein Frosch und eine Schlange lugen. Dahinter: seine Frau, Frida Kahlo, die schützend seine Schulter berührt und das Yin-Yang hält. Eine weitere zentrale Figur dieser Komposition ist José Martí, Dichter und Vater der kubanischen Unabhängigkeit. Indem der Künstler den Tod darstellt, zeigt er die Verschmelzung zweier Welten. Dies verweist auf eine tief verwurzelte Tradition präkolumbianischer Kulturen, die in dieser Zeit gefeiert wird: der Tag der Toten. Dieser Brauch, der in vielen Andenkulturen fortlebt, dient dazu, die Erinnerung an die Verstorbenen lebendig zu halten und sie durch ein Ritual zu ehren. Alle kommen zusammen, essen und trinken nahe den Gräbern ihrer Liebsten. Vielleicht symbolisiert die Darstellung dieser so eigentümlichen und doch so volkstümlichen Figur das historische Gedächtnis des Kampfes und der Rebellion ihrer Vorfahren gegen die Eindringlinge. Zudem ist diese Darstellung eine Huldigung des Künstlers an seinen bildenden Meister José Guadalupe Posada – hier an der Seite des Todes dargestellt – den Schöpfer der berühmten Catrin und Catrinas.
Im dritten Abschnitt veranschaulicht Rivera die Bauernbewegungen und die Entwicklung der mexikanischen Revolution. Er schildert misshandelte Bauern, ja, den Traum von Gerechtigkeit. Das moderne Mexiko wird durch eine Präsidentenfigur symbolisiert, die sich von Religion, Frauen und Geschäften korrumpieren lässt. In diesem Abschnitt taucht er selbst erneut auf, als Kind, das Kuchen isst.
Die Kulisse, in der all diese Figuren träumen, ist die Alameda Central, eine ikonische Promenade in Mexiko-Stadt, die der Künstler nutzt, um die Geschichte seines Landes zu reflektieren.
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